
Wortschatzdefizit
Wenn die passenden Wörter fehlen, kann es Kindern schwerfallen, Wünsche auszudrücken oder Erlebnisse zu erzählen. Manche Kinder verwenden nur wenige unterschiedliche Wörter, greifen häufig auf Begriffe wie „da“ zurück oder suchen länger nach einer Bezeichnung. In der logopädischen Therapie werden Wortschatz und Wortverständnis gezielt erweitert. Spielerische Angebote helfen dabei, neue Wörter zu entdecken, miteinander zu verknüpfen und im Alltag anzuwenden.
Grammatikstörung
Beim Sprechenlernen gehören grammatische Fehler zunächst zur Entwicklung dazu. Bleiben Schwierigkeiten mit Satzbau, Wortendungen oder Zeitformen jedoch über das erwartbare Entwicklungsalter hinaus bestehen, kann eine Grammatikstörung vorliegen. In der Therapie entdecken Kinder sprachliche Regeln durch gezielte Spiel- und Gesprächssituationen. Ziel ist es, zunehmend verständliche und altersentsprechende Sätze zu erarbeiten und im Alltag zu integrieren.
Sprachentwicklungsverzögerung
Manche Kinder beginnen später zu sprechen oder erweitern ihren Wortschatz langsamer als Gleichaltrige. Bei sogenannten „Late Talkern“ zeigen sich im Alter von etwa zwei Jahren ein deutlich kleiner Wortschatz (> 50 Wörter) und häufig noch fehlende Zwei-Wort-Äußerungen. In der logopädischen Therapie werden die Vorläuferfähigkeiten der Sprache erlernt und somit der Wortschatz und sprachliche Äußerungen erweitert.
Artikulationsstörung
Das Ersetzen oder Auslassen von Lauten, sowie die inkorrekte Lautbildung kann die Verständlichkeit beeinträchtigen und somit die Kommunikation mit dem Gegenüber erschweren. Die logopädische Diagnostik klärt, ob die Lautbildung oder die Verwendung der Laute betroffen ist. Darauf abgestimmt werden Aussprache und Lautunterscheidung gezielt therapiert und bis auf Spontansprachebene erarbeitet, um die korrekte Artikulation im Alltag gewährleisten zu können.
Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)
Gut zu hören bedeutet nicht automatisch, Gehörtes problemlos verarbeiten zu können. Bei einer AVWS ist die Verarbeitung von Höreindrücken beeinträchtigt, obwohl das eigentliche Hörorgan unauffällig ist. Schwierigkeiten können beispielsweise beim Unterscheiden ähnlicher Laute oder beim Sprachverstehen in geräuschvoller Umgebung auftreten. Nach fachärztlicher Abklärung wird die Unterstützung auf die festgestellten Schwierigkeiten abgestimmt und wird hilfreiche Anpassungen im Alltag umfassen.

Stottern bei Kindern und Erwachsenen
Beim Stottern gerät der Sprechfluss unwillkürlich ins Stocken. Laute oder Silben werden wiederholt, Laute gedehnt oder Wörter durch Blockaden unterbrochen. Das kann mit Anspannung und der Sorge vor bestimmten Sprechsituationen verbunden sein. Die logopädische Therapie wird individuell gestaltet und setzt sowohl am Sprechen als auch am Umgang mit dem Stottern an. Im Mittelpunkt stehen eine möglichst mühelose Kommunikation und die Teilhabe am Alltag.
Poltern bei Kindern und Erwachsenen
Beim Poltern wirkt das Sprechen häufig sehr schnell, unregelmäßig oder schwer verständlich. Silben können verschluckt werden, Wörter ineinanderfließen und Äußerungen wenig gegliedert erscheinen. In der logopädischen Therapie werden unter anderem die Wahrnehmung des eigenen Sprechens, ein angemessenes Sprechtempo und eine deutlichere Aussprache erarbeitet. Ziel ist es, Inhalte verständlicher zu vermitteln.

Aphasie
Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die beispielsweise nach einem Schlaganfall oder einer anderen Schädigung des Gehirns auftreten kann. Betroffenen fällt es möglicherweise schwer, Wörter zu finden, Sprache zu verstehen, zu lesen oder zu schreiben. Die logopädische Therapie knüpft an vorhandene Fähigkeiten an und unterstützt die Kommunikation im Alltag. Dabei werden auch Angehörige und ergänzende Kommunikationshilfen einbezogen.
Dysarthrie
Bei einer Dysarthrie ist die Steuerung der am Sprechen beteiligten Muskulatur beeinträchtigt. Dadurch kann die Sprache beispielsweise verwaschen, leise oder verlangsamt klingen. Auch Atmung, Stimme und Betonung können verändert sein. Anders als bei einer Aphasie steht nicht die Sprache selbst, sondern ihre sprechmotorische Umsetzung im Vordergrund. Die Therapie zielt darauf ab, Verständlichkeit und Kommunikationsmöglichkeiten individuell zu verbessern.
Fazialisparese
Eine Fazialisparese bezeichnet eine Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur. Je nach Ausprägung können Mimik, Lippenschluss und Aussprache beeinträchtigt sein, auch Essen und Trinken können schwerer fallen. Nach ärztlicher Abklärung wird eine individuell abgestimmte Therapie die Wahrnehmung und gezielte Bewegung im Gesichts- und Mundbereich unterstützen. Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Verlauf und den jeweiligen Einschränkungen.

Ungleichgewicht der orofazialen Muskulatur bei Kindern und Erwachsenen
Lippen, Zunge und Wangen arbeiten beim Sprechen, Kauen und Schlucken eng zusammen. Ist dieses Zusammenspiel beeinträchtigt, können beispielsweise eine offene Mundhaltung, eine falsche Zungenruhelage oder Auffälligkeiten beim Schlucken entstehen. Die myofunktionelle Therapie unterstützt eine passende Ruhelage und koordinierte Bewegungsabläufe. Bei Bedarf erfolgt die Behandlung in Abstimmung mit der Zahnmedizin, Kieferorthopädie oder HNO-Heilkunde
Viszerales Schluckmuster
Beim viszeralen Schluckmuster drückt die Zunge während des Schluckens gegen oder zwischen die Zähne, statt am Gaumen anzuliegen. Besteht dieses Muster, kommt es zu Kiefer- und Zahnfehlstellungen und Artikulationsauffälligkeiten. In der Therapie wird die Zungenruhelage und ein physiologischer Schluckablauf erarbeitet und schrittweise in den Alltag übertragen.

Organische Stimmstörung
Eine organische Stimmstörung entsteht durch körperliche Veränderungen im Bereich des Kehlkopfes oder der Stimmlippen, beispielsweise durch Entzündungen, Gewebeveränderungen oder Lähmungen. Die Stimme kann dadurch heiser, rau, behaucht oder wenig belastbar sein. Auf Grundlage der HNO-ärztlichen oder phoniatrischen Untersuchung kann eine logopädische Stimmtherapie die medizinische Behandlung ergänzen und eine möglichst ökonomische Stimmgebung unterstützen.
Funktionelle Stimmstörung
Wenn das Sprechen anstrengt und die Stimme schnell ermüdet, kann eine funktionelle Stimmstörung vorliegen. Dabei ist das Zusammenspiel von Atmung, Muskelspannung und Stimmgebung beeinträchtigt, ohne dass zunächst eine ursächliche organische Veränderung erkennbar sein muss. Nach ärztlicher Abklärung werden in der Therapie ein bewusster Umgang mit der Stimme und eine möglichst mühelose Stimmgebung erarbeitet.
Psychogene Stimmstörung
Seelische Belastungen können sich auf die Stimme auswirken. Bei einer psychogenen Stimmstörung können ausgeprägte Heiserkeit oder ein Verlust der Stimme auftreten, ohne dass eine organische Ursache die Beschwerden ausreichend erklärt. Die Symptome sind nicht absichtlich herbeigeführt. Nach sorgfältiger ärztlicher Abklärung kann eine logopädische Stimmtherapie helfen, den Zugang zur Stimme wiederzufinden. Je nach Bedarf wird die Behandlung psychotherapeutisch begleitet.
Presbyphonie
Auch die Stimme verändert sich im Laufe des Lebens. Wird sie durch altersbedingte Veränderungen deutlich schwächer, brüchiger oder weniger belastbar, spricht man von einer Presbyphonie. Gespräche können dadurch zunehmend anstrengend werden. Eine individuell angepasste Stimmtherapie kann die Atmung und Stimmfunktion unterstützen. Ziel ist es, die vorhandenen stimmlichen Möglichkeiten zu nutzen und die Kommunikation im Alltag zu erleichtern.

Neurogene Dysphagie
Eine neurogene Dysphagie ist eine Schluckstörung infolge einer Erkrankung oder Schädigung des Nervensystems, beispielsweise nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson. Das Zusammenspiel der am Schlucken beteiligten Muskeln kann dadurch beeinträchtigt sein. Essen, Trinken oder das Schlucken von Speichel fallen möglicherweise schwerer. Auf Grundlage einer sorgfältigen Schluckdiagnostik werden therapeutische Maßnahmen individuell ausgewählt, um Sicherheit und Lebensqualität bestmöglich zu unterstützen.
Strukturelle Dysphagie
Veränderungen im Mund- und Rachenbereich können den Schluckablauf erschweren. Solche strukturell bedingten Schluckstörungen können beispielsweise im Zusammenhang mit Fehlbildungen, Operationen oder Tumorerkrankungen entstehen. Je nach Befund sind das Kauen, der Nahrungstransport oder der Schutz der Atemwege beeinträchtigt. Die logopädische Behandlung wird mit der medizinischen Versorgung abgestimmt und richtet sich nach den individuellen Möglichkeiten und Bedürfnissen beim Essen und Trinken.
